Eine kleine Baugeschichte der Marienkirche in Stammbach
     

Sie werden sich wundern, dass eine evangelische Kirche nach der Mutter Jesu benannt ist. Natürlich hat das seine Gründe. Nach der Zeit der Husseiteinfalls im Jahre 1430 wurde die kleine, schon bestehende Wallfahrtskapell zu einer Kirche erweitert und unter das Patrozinium der "Beatae Mariae virginis", der glückseligen Jungfrau Marie gestellt. Daher der Name. Der Namenspatronin gemäß, gab es ein Marienbild am Altar, dem große Verehrung zuteil wurde.

Wahrscheinlich hatte diese Vorgängerkirche noch keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter, wie die Klöster der Zisterzienser. Rings um die Kirche lag der Gottesakker, der von einer starken Mauer umgeben wurde. Die heutige Freitreppe muss man sich wegdenken. Nachdem aber ein neuer Friedhof errichtet war, baute man 1561 einen mächtigen Turm an die Kirche.

Der Bauernknecht Hans Menzel aus Gundlitz konnte sine Ersparnisse über die Verwüstungen des 30jährigen Krieges hinaus retten und stiftete 1648 die erste Orgel in unserer Kirche. Welch ein Hoffnungszeichen in dieser schweren Zeit!

In den folgenden Jahrzehnten wurde an unserer Kirche immer wieder gearbeitet. 1663 renovierte Johannes Ravizza den Turm und setzte ihm eine "Latern" auf. 1711 wurde der Turm nach einem Brand mit der welschen Haube versehen. Zu einer sogenannten "Markgrafenkirche" wurde die Kirche dann im Jahr 1732. Zwei Emporen und ein Kanzelaltar wurde eingebaut. Wahrscheinlich entfernte man im Zuge dieser Veränderungen das alte Marienbild.

Dem ersten Stammbacher Großbrand am 18.08.1800 fiel auch die Kirche zum Opfer, doch bereits 1803 konnte sie wieder eingeweiht werden. Knapp 20 Jahre später zerstörte der Zweite Großbrand fast den ganze Markt, wie auch die Kirche. Es folgte ein Neubau, der am 29.10.1826 eingeweiht wurde. Damals waren die Glasfenster noch unbemahlt und der Aufgang zu den Emporen befand sich hinter dem Kanzelaltar. Die Sitzplätze waren nummeriert.

 

Ihr heutiges Aussehen bekam unsere Kirche zu Beginn des 20. Jahrhundert. Das Treppenhaus mit den Zusgängen zu den Emporen wurde in den Turm eingepasst. Zudem entfernte man den Kanzelaltar, Kanzel und Taufstein in den Formen der Neurenaissance bestimmen seitdem den Raumeindruck. Die Sakristei wurde an der Nordseite angebaut und der Chorraum mit Glasfenstern versehen. Die geschnitzte Abendmahlgruppe, die über dem heutigen Altar zu sehen ist, stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Taufbecken (1826) aus farbig gefaßtem Holz zeigt auf dem Deckel den "Brunnen des Lebens".

Die Orgel, heute in unserer Kirche zu hören ist, wurde 1828 von Friedrich Heidenreich gebaut, 1915 und 1953 überhol. Die zwei anbetenden Engel, stammen ebenfalls aus der Zeit um 1826.

(Geschichte und Text zusammengestellt von Pfr. Klaus Firnschild-Steuer, Pfr. in Stammbach von 19.... bis 19....)